Wir streben nach Bestätigung und Lob!

Denken Sie mal an Ihre Kindheit zurück oder beobachten mal Ihre Kinder. Jedes Kind will – mehr oder weniger – im Mittelpunkt stehen und will gelobt werden. Wie wir wissen, ist Lob immer förderlich. Gut für die Persönlichkeit eines Kindes. Aber auch Kritik bringt es weiter.

Die negativen Erfahrungen der Kinder bringt es aber mit sich, dass Kritik dann in ANGST umgewandelt wird. Und je nach Persönlichkeit prägt sich das stärker oder schwächer im Unterbewußtsein aus und erzeugt Blockaden.

Z.B. "Eine Studentin, die an einem Schreibkurs (chin. Schriften)… teilnahm, …, … fühlte sich ganz niedergeschlagen angesichts dessen, was sie beim Schreiben zustande bringe. Dann aber sagte ihr eine Lehrerin: "Sie haben wirklich Talent zum Schreiben!" Und ganz plötzlich erwachte die Studentin zu neuem Schwung: "Ich kann gut schreiben!…" [aus John Daido Loori, Hat ein Hund Buddha-Natur? Die Koan-Praxis im Zen, Spirit Fischer 1996, S. 60-61]

Es ist natürlich positiv, dass die Studentin nicht kritisiert wurde. Aber was erzeugt Lob oder Kritik in uns? Lob bestärkt uns, Kritik nicht. Es verhält sich wie eine Sinuskurve. Wir befinden uns bei Lob im Hochpunkt und bei Kritik im Tiefpunkt. Wie soll man selber mit der "Vergabe" von Lob und Kritik umgehen. Emotional gesehen ist Lob oder Kritik nur ein "Energiezustand" in uns, den wir selber herbei rufen. Je tiefer die Wurzeln im Unterbewußtsein liegen, desto unkontrollierter kommen diese Zustände hoch. 

Gehen wir noch mal zurück zur Studentin: Sie hat das Schreiben von chin. Schriftzeichen gelernt. Dies ist eine unmittelbare Erfahrung für sie gewesen. Erst das Nachdenken (ihre Niedergeschlagenheit) und das Reden (Lob der Lehrerin) löst Zweifel aus, verursacht in ihr ein Hin und Her und macht vieles unsicher, trügerisch und kann Angst erzeugen.

Die Buddhisten sagen, der Weg der Mitte sei die Lösung – also das Vermeiden von Hoch- und Tiefpunkten.

Denken Sie darüber mal nach. Es ist wirklich nicht leicht, in unserer Gesellschaft nach diesen Ideen zu leben. Wir sind seit unserer Kindheit zielorientiert erzogen worden. Im Mittelpunkt unseres Lebens steht die Aktivität, das, was wir in unserer Umgebung verändern, also unsere "guten Werke".  Und unser Denken bringt uns dazu, Lob und Verdienste für unsere Tätigkeiten zu erhalten. Solange alles gut läuft, ok. Aber wie gehen wir mit negativen Ereignissen um? Wir sind dann niedergeschlagen, erschöpft, …

Man könnte meinen, dass einem ein Nasenring angelegt wurde! Wir sind nicht mehr frei! Ob es nun Lob oder Kritik ist, der Nasenring ist da. Jede Handlung zerlegen wir in zwei Teile. Wir zwingen unser Bewusstsein, gleichzeitig in "zwei Richtungen zu denken" [Günter W. Remmert, Offen und Weit – Nicht Heilig, Der Geist den Zen und Wir, www.seminarhaus-schmiede.de]. Wir denken einmal in der Gegenwart und zum anderen blicken wir in die Zukunft. Einfach ausgedrückt: Wir sind nie ganz bei der Sache. Somit ist es uns nie möglich, im Hier und Jetzt zu sein.

Beobachten Sie sich selber mal. Was denken Sie, wie sind Ihre Emotionen, wie reagieren Sie in den jeweiligen Situationen.

Es würde mich freuen, wenn ich Ihr Interesse geweckt habe.

Bis dahin alles Gute.

Ersin Söbütay

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